Zur Schönheit und Artenvielfalt der Alp Widderen trägt ein Zivi bei

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Im Tal Sinsgäu können die Wanderer auf gepflegten Wanderwegen durch saftige Alpblumenwiesen wandern und dazwischen im Alpbeizli auf der Alp Widderen einkehren. Koni und Evelien Schön schätzen die Unterstützung des Zivis auf der Alp.

Bergidylle dank vielen Arbeitsstunden

Von Mitte Mai bis Mitte Oktober 2014 waren wir den vierten Alpsommer auf der Alp Widderen, Sinsgäu oberhalb von Oberrickenbach NW. Auf den ersten Blick hat es hier oben etwas von der Idylle, wie die Tourismusbranche die Alpen mit schönen Bergen, blühenden Alpwiesen, Kuhglockengeläut und viel Ruhe vermarktet. Diese geniessen wir am Abend nach getaner Arbeit sehr gerne. Aber auf den zweiten Blick ist der Alpsommer mit viel Arbeit und Energieaufwand verbunden. Die Alp liegt zwischen 1200 und 2000 Metern über Meer und ist nur mittels einer Seilbahn und eines anschliessenden Fussmarsches von knapp einem Kilometer zu erreichen. Da oben sind im Sommer nebst uns als Älplerpaar noch 192 Rinder, drei Geissen mit drei «Gitzis», zwei Schweine, sechs Hühner, das Maultier Leila und unser Hund Noldi zu Hause. Neben dem offiziellen Alpbetrieb betreiben wir ein gemütliches Alpbeizli.

Im Frühjahr werden in wochenlanger Arbeit rund 33 Kilometer Zäune gezogen. Dies bedeutet, dass über 10 000 Pfosten eingeschlagen und verdrahtet werden müssen. Jährlich müssen zwischen 1000 und 1500 Pfosten neu angefertigt und an den richtigen Ort getragen werden, manchmal in sehr steilem und unwegsamem Gelände. Danach erfolgt der Kampf gegen die Verbuschung. Unkraut und kleine Tannen müssen pro Jahr mehrmals geschnitten und beseitigt werden. Zudem steht bei schönem Wetter im Hochsommer die Wildheuet an. Unkraut wird gemäht, das Gras getrocknet und das trockene Heu zu «Bordeli» gebunden. Danach wird es ans Heuseil gehängt und zur Alp geseilt, wo es zum Stall getragen wird. Ohne diese Alppflegearbeiten müssten das gute Weideland und die schönen Blumenwiesen Büschen und Wald weichen. Dies könnte Erderosionen mit grossen Schäden zur Folge haben und das Gelände wäre mit der Zeit für die Wanderer unbegehbar. Dank der Wildheuet vermindert sich im Winter auch die Lawinengefahr, da der Schnee nicht auf dem langen Gras ins Rutschen kommen kann.

Ohne die Mithilfe eines Zivis und einiger Freiwilliger wäre es nicht möglich, dass die vielen Wanderer, die auf dem Weg auf den Kaiserstuhl, auf den Briesen oder nach Gitschenen hier vorbeikommen, eine gepflegte Alp geniessen können. Zweimal pro Jahr kommen besonders viele Personen auf die Alp, zum einen beim 1.-August-Brunch und zum andern beim Alpgottesdienst. Diese zwei Anlässe mit vielen schönen Begegnungen und strahlenden Gesichtern sind auch eine Gelegenheit, einem kleinen Teil der Talbevölkerung das Alpleben näher zu bringen und den Stadtkindern etwas über die Tier- und Alpenwelt zu vermitteln. Die Kinder lieben es, mit den Gitzis herumzutollen, und sind manchmal gar erstaunt, dass die Milch aus dem Euter und nicht aus dem Tetra Pak kommt.

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Der Zivi ist ein Glücksfall

Das zweite Jahr leistet Mathias Herzog, kurz «Mättu», seinen Zivildiensteinsatz auf unserer Alp. Er arbeitet mit viel Herzblut und zeigt ausserordentlich viel Einsatz. Als gelernter Forstwart ist er es gewohnt, draussen zu arbeiten und anzupacken. Dies ist für uns ein grosser Glücksfall, doch wissen wir, dass dies keine Selbstverständlichkeit ist. Abgesehen davon, dass er sehr selbstständig und zuverlässig arbeitet, unterstützt er uns mit seinem Fachwissen und seiner Berufserfahrung. So konnten wir sechs neue Holztröge und den Holzbrunnen vor der Hütte erneuern. Daneben müssen auch alte Bäume gefällt, Holz für das Hüttenfeuer gesägt und gehackt werden, da ist die Unterstützung durch den Fachmann viel wert. Doch Mättu kann nicht nur mit Holz umgehen, sondern ist sehr vielseitig einsetzbar. So hilft er bei der Wildheuet, beim Zäunen.

Mättu unterstützt uns auch in der Alppflege, wie Unkraut, Tannen und Dornen entfernen, mähen und heuen. Dank diesen Arbeiten bleiben Weideland und Blumenwiesen erhalten. Wenn diese Arbeiten fehlen, würden die nutzbaren Weiden und Wiesen bald mit Büschen und Wald überwachsen und die Artenvielfalt, welche jetzt auf Wiesen und Weide besteht, sich verändern. Beachtet werden muss sowohl die Artenvielfalt für Wiesen und Weiden und auch diejenige für ganze Waldstücke. Auf unserer Alp gibt es etwa gleich viel Weideland und Wald.

Regen erschwert den Alpsommer

Der Alpsommer 2014 war sehr nass, verregnet und kalt. Dies erschwerte die tägliche Arbeit draussen erheblich und konnte auch schon mal etwas auf die Stimmung drücken. Doch Mättu ist es gewohnt, draussen zu arbeiten, daher liess er sich durch das Wetter nicht demotivieren. Auch nicht, als neun Rinder an der Gämsblindheit sowie 15 Rinder aufgrund des Wetters an der Fusskrankheit Mätten erkrankten und intensiv gepflegt werden mussten. So half er mit, die 9 Rinder einzustallen, diese täglich vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang zum Fressen auf die Wiesen zu treiben, zu tränken und im Stall mit Heu zu füttern. Ohne diese Hilfe wären die Tage noch viel länger und intensiver geworden.

Tiere und Bauern freuen sich auf die Alpsaison

Die Bauern bringen die Tiere anfangs Juni auf die Alp, damit das Gras im Tal als Heu und als Silage in den Stall geführt und den Tieren in den Wintermonaten verfüttert werden kann. Wenn die Tiere das Gras bereits in den Sommermonaten auf den Weiden fressen würden, müsste in den Wintermonaten zusätzliches Futter und Heu zugekauft werden. Zudem haben die Bauern wegen des abwesenden Viehs mehr Zeit für andere Arbeiten im Betrieb. Doch auch für die Tiere ist der Alpsommer ein Segen. Das saftige Gras auf den Alpen ist vielfältiger und enthält mehr Nährstoffe. Zudem sind die Temperaturen auf den Alpen für das Vieh angenehmer als die Hitze im Talboden.

Wir wissen, dass der Einsatz eines Zivis auf der Alp für uns Älpler eine grosse Erleichterung ist. Nur so können wir unsere ganzen Kräfte wichtigen Arbeiten auf der Alp widmen. Zudem ist der Einsatz auch für die Bauern und Wanderer eine Freude, was viele nur unbewusst wahrnehmen. Für uns wäre eine Alpzeit ohne Zivi schwer. Wir müssten grosse Abstriche in der Alppflege machen, was sich direkt auf die Qualität der Weiden, Wanderwege und Alpenlandschaft auswirken würde.

Autoren

Konrad und Evelien Schön führen gemeinsam den Alpbetrieb auf der Alp Widderen, Sinsgäu oberhalb von Oberrickenbach NW.

Letzte Änderung 22.11.2016

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